Banner-2020-hell
line1

Odernheim am Glan
Odernheim am Glan liegt an der Mündung des Glans in die Nahe. Rehborn, Staudernheim, Duchroth, Boos und Lettweiler sind die unmittelbaren Nachbarorte Odernheims. Odernheim wird 976 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Archäologische Funde weisen jedoch auf eine frühere Besiedlung hin.
1349 bekam Odernheim am Glan die Stadtrechte von Karl IV verliehen.
1108 wurde auf dem nahegelegenen Disibodenberg, der sich über den Zusammenfluss von Glan und Nahe erhebt, ein Benediktinerkloster gegründet. 1112 traten Jutta von Sponheim (* um 1092 - +1136), Hildegard von Bingen (*1098 - +1179) und ein weiteres Mädchen in den Benediktinerorden ein. Das Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg war bis zum Eintritt der Frauen in den Benediktinerorden ein reiner Männerorden. So musste für die Frauen eigens eine eigene Klause innerhalb des Benediktinerklosters errichtet werden. Die meiste Zeit ihres Schaffes weilte Hildegard von Bingen auf dem Disibodenberg.
Eine Vision 1147 war ausschlaggebend für die Gründung eines eigenen Frauenklosters auf dem Ruppertsberg in Bingen, der am Zusammenfluss von Nahe und Rhein gelegen ist. Nach sehr schwierigen Verhandlungen mit den Äbten des Disibodenberg und der Erlaubnis des Papstes zur Gründung eines Benediktinerordens für Frauen, zog 1150 Hildegard mit 18 Nonnen auf dem noch nicht fertigen Kloster Ruppertsberg ein.
Seit dem 12. Jahrhundert gehörte Odernheim am Glan zunächst als Lehen und später als Besitz den Grafen von Veldenz. 1444 gelangte Odernheim in den Besitz der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken.
Als es zu Kriegshandlungen infolge des bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieges in und um Odernheim kam, wurde Odernheim 1504 fast völlig zerstört. Das gleiche Schicksal ereilte Odernheim im Rahmen des pfälzischen Erbfolgekrieges 1689.
1747 wanderten 20 Familien aus Odernheim am Glan, Oberhausen und Duchroth aus. Sie gründeten die Siedlung Müggelheim, das heute zu Berlin gehört.
1768 gelangte Odernheim am Glan durch einen Gebietstausch, der zwischen Pfalz- Zweibrücken und der Kurpfalz vereinbart, wurde unter Kurpfälzische Herrschaft.
1789 brach die Französische Revolution aus. Französische Truppen annektierten 1794 das Gebiet links des Rheins. Odernheim bekam die Stadtrechte zuerkannt und wurde nun Maire. Odernheim lag nun im Kanton Obermoschel, das wiederum zum Arrondissement Kaiserslautern gehörte. Das zuständige Départment du Mont Tonnerre war die oberste Verwaltungsinstanz für die Gemeinde Odernheim.
Nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo 1815 wurde in dem Vertragswerk des Wiener Kongresses die Zugehörigkeit Odern-heims zu Bayern bestimmt. Nun lag Odernheim in der Bayrischen Pfalz. Das sollte bis zum Ende des 2. Weltkrieges auch so bleiben.
 

Der Weinbau an Glan und Nahe
Als früheste Zeugen für die Kultur der Rebe an Glan und Nahe treten uns Bodenfunde aus der Römerzeit, wie sichelförmige Winzermesser mit einem beilförmigen Fortsatz auf dem Rücken und Mostsiebe, entgegen. Die galloromanische Vermittlung der Weinkultur in unseren Breiten spiegelt sich im allgemeinen Sprachgebrauch und speziell in der Winzersprache wider. Zum Beispiel: lat. Vinum = Wein, mustum = Most, cellarium = Keller. Vermutlich aus der Römerzeit waren die sogenannten Heckenwingerte. Da die Reben keinen Halt an Pfählen hatten, lagen sie mit den Trauben meist auf dem Boden. Der aus solchen Trauben gewonnene „Land- oder Wildwein“ schmeckte grundig und herb. Solche „Heckenwingerte“ gab es bis ins 19. Jahrhundert. In den nachfolgenden Jahrhunderten waren hauptsächlich die Klöster für die Pflege des Weinbaues bestimmend. Das Kloster Disibodenberg besaß durch Schenkungen zahlreiche Güter, dazu gehörten auch etliche Weinberge. So gehörte ihm die Weinbergslage „Fronenberg“, ein Name, den er dem Fronzwang verdankt. Die Untertanen von Odernheim mussten für die „Herren auf dem Berg“ frönen, die Weinbergsarbeiten „in der Fron“ verrichten. Für diese Arbeiten wurden sie folgendermaßen entlohnt:

Wingertschneiden:
Am Morgen     1 Portion Brot, Suppe und Käse
                       2 Becher Bier oder Wein
Am Mittag       Suppe, Brei, 2 Becher trinken
Am Abend      1 Portion Brot
Wintergraben: geradeso (Rodungsarbeiten), Pfahlstecken: auch so, nur einmal trinken
Aus Urkunden geht hervor, dass die Behandlung des Weinstocks und die Bebauung der Weinberge schon weit fortgeschritten war. Man findet dort Angaben zum Beschneiden und Einlegen der Reben, zum Aufbinden und Anheften derselben an Pfähle, über das Roden, das Umgraben und das Düngen des Bodens. All diese Weinbergsarbeiten waren zu bestimmten Terminen durchzuführen. So mussten bis Ostern die Weinberge geschnitten, mit Pfäh-len versehen und geheftet sein, bis Pfingsten gegraben und bis zum Jakobstag gerührt (oberflächig gegraben) sein. Gemistet wurde im Abstand von mehreren Jahren. Ein Teil der Weinberge war an die Einwohner von Odernheim im Erbbestand verliehen. Vom Ertrag der Reben hatten die Beständer ein Drittel abzugeben und gleich an Ort und Stelle in des Klosters Bütten zu liefern. Nach Aufhebung des Klosters im Jahr 1559 gab die zweibrückische Verwaltung die in unserer Gemarkung liegenden Klosterweinberge in Erbpacht an die Bürger von Odernheim. Neben dem Weinbergsbesitz des Klosters hat es schon früh einen ansehlichen Eigenbesitz an Weinbergen der Bürger gegeben. Neben dem Kloster zog auch der Landesherr Nutzen aus dem Weinbau. Er bezog von den bürgerlichen Weinbergen im Jahr 3 Fuder Beedwein (Wein steuer), der an die Kellerei in Meisenheim geliefert werden musste. Im Weinbeetbuch aus dem Jahre 1550 steht folgender Vermerk: „Bethe Wyn“
„Meyn gendiger Herre hat Jerlich Zü Odernheym ffalen drye ffü-der wyns genannt Bet wyn: solche werden durch diese hernoch bemelte geliffert (Namen der Weinbergsbesitzer) Item zum bethe win synt 12 massen vor eyn virtell 10 vitell vor ein omhe und 40 virtel vor eyn fuder gerechnet“
.
Seit jeher wurde der Termin für die Weinlese von der Obrigkeit festgesetzt. Bis heute wurden durch den Leseausschuss der Gemeinde der frühest mögliche Lesetermin bzw. die Schließung der Weinberge festgesetzt.

line1

© guenter-urum