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13. Ehemalige Lohmühle
Zu Anfang des 19 Jahrhunderts wurde in diesem Haus im Marxdorf eine Lohmühle betrieben. Laut dem Lageplan aus dem Jahre 1835 gehörte das Anwesen zur Gerberei Großarth (jetzt Weingut Hofmann). Die Lohmühle diente zur Zerkleinerung der für die Gerbereien notwendige pflanzliche Gerbemittel. Vor allem Eichenrinde wurde zur Lohe zermahlen. Die Eichenrinde ist sehr gerbsäurehaltig und aus diesem Grunde sehr gut geeignet zum Gerben von Leder. Angetrieben wurde die Mühle durch ein Wasserrad, ein so genanntes Kurbelrad. Unterhalb des nach Huckern und Apfelgraben führenden Brückelchen befand sich ein kleines Wehr mit einer Schließe. Hier wurde im Bedarfsfall das Wasser des Heimelbach gestaut und in Deicheln auf das Wasserrad geleitet. Nach dem Verkauf des Hauses, wurden die Nebengebäude abgerissen.

14. Gerbereien
Auf der Südseite der Stadtmauer und Rehborner waren die Gerbereien samt Gerberbecken angesiedelt. Der Gestank den dieses Gewerbe erzeugte war zum Teil unerträglich, da die zu gerbenden Rothäute in kurzer Zeit einen sehr üblen Aasgeruch verbreiteten. Die Gerberbecken vor den Mauern waren gemauerte Gruben, in die die Felle schichtweise mit Gerberlohe und Wasser eingelegt wurden. Die sogenannte Rotgerberei brauchte recht lange, zwischen sechs Monaten und drei Jahren, bis zur Reife des Leders. Diese Ansammlung von Lohgruben oder auch Becken, die wie Gartenbeete aneinandergereiht waren, wurden auch „Lohgärten „ genannt. Die Gerber entnahmen das nötige Wasser um die Gerberbecken zu füllen oder die Felle nach dem Gerbvorgang zu walken, dem Heimelbach. Dies bekamen sie durch einen Kanal der durch das untere Maxdorf und Teil der Hauptstraße unmittelbar zu den Lohgruben führte. Der Wasserverlauf führte durch einen Durchlaß im Obertor in einer Rinne (Klahm)entlang der Hauptstraße in den Glan. Bei der Sanierung des Anwesens Hofmann entdeckte man noch gemauerte Gerberbecken, die mit dicken Eichenbohlen abgedeckt waren.

Das Gerberwappen am Haus Hofmann, heute Weingut Hofmann. Das Haus welches 250 Jahre alt ist, hatte im Hofbereich noch lange Jahre, bis zur Hofsaniereung, Gerberbecken, welche mit dicken Eichenbohlen abgedeckt waren. Willi Hofmann erinnert sich an Stein ausgekleidete Gerberbecken in seinem Hof. Diese Becken gehörten sicherlich einmal zu den der Stadtmauer vorgelagerten Lohgärten.

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Hofmann Gerberei

links: Versetzen der Häute in die Lohgrube

rechts: Annageln der Häute zum Trocknen

Ein herzliches Dankeschön an Herrn Ewald Ahlering aus 57271 Hilchenbach, der uns diese Bilder (im Kapitel Gerbereien) freundlicher Weise zur Verfügung gestellt hat.
Er betreibt eine sehenswerte Homepage über seinen Wohnort Hilchenberg. Hilchenbach ist ein reizklimatischer Ferienort im Naturpark Rothaargebirge.
www.ahlering.de

15. Lägertsgässchen
Der Rundweg führt nun durch ein kleines Gäßchen im Volksmund „Lägertsgässchen“ genannt, um 1700 Lückersgäßchen genannt.
Hier wo heute Gärten sind, war früher der alte Stadtgraben (Wallgraben) als Teil der Befestigung,  rund um Odernheim. Bei der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1349 war Odernheim schon mit einer Ringmauer und Türmen umgeben. Um 1818 wurde die Ringmauer abgerissen, so dass Odernheim sich weiter entwickeln konnte. Reste der Ringmauer und der alte Pulverturm sind noch gut zwischen den Häusern zu erkennen. Der Verlauf des Gäßchens und der Gärten entspricht etwa dem Verlauf des Wallgrabens, der der Stadtmauer vorgelagert war. Der Wallgraben wurde von der Heimelbach, der noch heute unter den Häusern am Ende der Marxdorfstraße sowie der Hauptstraße und Hinterhausen durchfließt und in der Duchrother Straße in den Glan mündet, mit Wasser versorgt. Bei Gefahr konnten die Odernheimer den Wallgraben fluten, um es den Angreifern so schwer wie möglich zu machen Odernheim einzunehmen. In den Gärten werden noch fast alle Gemüsesorten, Salate, Rüben, Bohnen und Kartoffel gepflanzt.

16. Pulverturm
Wie alle Türme der Stadtmauer, hatte der Pulverturm seine Aufgabe und Bedeutung In ihm wurde Schießpulver, welches in Kriegszeiten eingesetzt werden mußte, gebunkert. Was wir jetzt noch an Überresten sehen, ist der untere  Teil des Turmes, des  sogenannten Pulverbunkers, der noch von der Mauer eingebettet war. Der Turm selbst war nur zu einem Drittel in die Mauer integriert, die restlichen zwei Drittel waren vor die Mauer gesetzt.  Der Pulverturm als er sich noch in Funktion befand, war mindestens eineinhalb mal so hoch. Bei einem Durchmesser von ca 5,70 Metern und einer Mauerstärke von 1,70 Metern war das  Dach sehr wahrscheinlich gemauert,, verputzt und mit Pech eingestrichen  um eine zusätzliche Dichtigkeit zu erreichen. Im  unteren Bereich des Pulverturmes gab es  keinen Eingang, dieser befand sich auf der Mauer. Über einen Wendeltreppenaufgang von der Mauerbrüstung bestieg man den Turm. Auf der südlichen Seite des Turmes  ist eine rechtwinklige Mauerung des runden Turmes zu erkennen. Dies deutet auf einen „Abweiser“ hin, eine  nach außen gerichtete rechtwinklige Kante, welche die Kraft der  Kanonenkugeln  durch Ablenkung der Projektile  auf den Turm verminderte.
Bei den noch sichtbaren „ Scharten „ oder „ Schlitzen“  dürfte es sich um Belüftung schlitze für den Pulverbunker gehandelt haben. Das Pulver mußte mehrfach im Jahr auf seine Tauglichkeit geprüft werden, diese Arbeiten konnten nicht im Dunkeln gemacht werden. Die Gefahr , die Kontrolle bei offenem Feuer einer Laterne oder einer Fackel zu machen wäre viel zu groß gewesen.  In Kriegszeiten wurden diese Schlitze mit Steinen versetzt, sodass  Kugeln oder sonstige Irrläufer nicht eine Entzündung des Pulvers bewirken konnten.

17. Lutherische Schule
Auf den Grundmauern dieses Gebäudes stand das lutherische Schulhaus. Nach der Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirche im Jahre 1818, wurde die lutherische Schule in Odernheim nicht mehr gebraucht. Aus einem Schriftstück vom 10.12.1819 geht hervor, dass die lutherische Gemeinde aufgefordert wurde, das Schulhaus an die politische Gemeinde abzutreten. Am 1. Januar 1820 stimmte der Gemeinderat unter Vorsitz des Bürgermeisters Friedrich Fabel und der Vertretung der lutherischen Kirchengemeinde diesem Vorschlag zu. Der Gemeinderat beschloss das Gebäude als Mädchenschule zu nutzen. Nach dem Bau des neuen Schulhauses 1830 (jetzt protestantisches Gemeindehaus gegenüber) wurde die Mädchenschule nicht mehr gebraucht und als gemeindeeigene Wohnungen vermietet. Auf Grund der schlechten hygienischen Verhältnisse und steigender Schülerzahlen, beschloss der Gemeinderat am 6. Juli 1907

Lutherische Schule 16

das ehemalige Schulhaus, das in der zwischen Zeit marode war, abzureißen, und an dieser Stelle eine neue „Abortanlage“ zu bauen. (heutiger Jugendraum). Die Steine aus dem Abriss des alten lutherischen Schulhauses wurden meistbietend versteigert. Den Zuschlag erhielt der Odernheimer Bürger Leonhard May. Den Türsturz der Eingangstür des lutherischen Schulhauses baute er in seinem Haus im Maxdorf 10 wieder ein.

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